Abschiedsrituale

Nach dem Tod eines Babys müssen wir uns auf die eine oder andere Art verabschieden. Egal, ob wir das Baby sechs oder 30 Wochen in unserem Bauch getragen haben; es war Teil von uns und nun ist es das nicht mehr. Ein Abschiedsritual ist wunderbar heilsam und bietet eine stabilisierende und Orientierung gebende Unterstützung in einer schweren Zeit.

Häufig wird uns vermittelt, dass wir uns ablenken sollen, an etwas Anderes denken, unsere Aufmerksamkeit auf was Schönes richten sollen, anstatt bewusst Abschied zu nehmen. Aber das wird den Schmerz nicht heilen, sondern ihn nur für eine Weile verdrängen. Wird Schmerz verdrängt, anstatt geheilt, so kann es langfristig zu Verbitterung kommen, eventuell sogar zu Depressionen.

Ein richtiger Abschied von unserem toten Kind ist ein erster Schritt in Richtung Heilung.

Ein Abschiedsritual hilft dabei, einem Anlass eine Bedeutung zu geben; bagatellisiere deine Fehlgeburt nicht, sondern gebe ihr die Bedeutung, die sie verdient! Das Abschiedsritual ermöglicht es uns, uns deutlich zu machen, dass da etwas passiert ist, was unser Leben verändert hat, es hilft uns zu sehen, dass wir nun nicht mehr die Gleichen sind. Ein bewusst vollzogener Abschied bedeutet auch, eine neue Perspektive auf die Vergangenheit und die Zukunft anzunehmen; ein Abschiedsritual beinhaltet immer auch das Bewusstsein, den Schmerz zu akzeptieren und zu verarbeiten.

Ein Ritual kann sowohl allein als auch gemeinsam mit dem Partner oder der Familie wunderschön und heilend sein. Wenn mehrere Menschen das Abschiedsritual kennen und ihm folgen, so entsteht dadurch auch eine Form der innigen Verbundenheit, denn jeder spürt in dieser Situation, dass der andere gleichfalls betroffen und erschüttert ist; dass er mitfühlt. Darin liegt ein großer Trost, wenn man so etwas Schweres wie eine Fehlgeburt bewältigen muss. Dennoch; wenn du das Gefühl hast, du möchtest das Ritual allein machen, so ist auch das wunderschön!

Mehr zum Thema Abschiedsrituale findest du auch in meinem Buch “Vetrauen nach Fehlgeburt”

Anzeige

Vertrauen nach Fehlgeburt

Der Kraftspendende Ratgeber für die Zeit während und nach einer Fehlgeburt

“Rosa Koppelmann trifft genau die Worte die ich bei meiner Fehlgeburt gebraucht habe. Sie hat mich durch diese schwere Zeit mir ihrem Buch begleitet und ich konnte annehmen und verstehen. Ich wünsche jeder Frau, die eine Fehlgeburt durchmachen muss, dieses Buch.”

Amazon-Rezension

Ideen für Abschiedsrituale:

  1. Ein Symbol vergraben:

Gibt es etwas, was du von deiner Fehlgeburt hast, was du an einem besonders schönen Ort vergraben könntest? Wie bei einer Beerdigung bringt das Vergraben von Etwas den Vorteil mit sich, dass man immer wieder an den Ort des Begräbnisses zurückkehren kann. Wir haben damals tatsächlich einige der Blut-Koagel in Klopapier eingewickelt, in eine Origami-Schachtel gelegt und diese unter einem schönen, starken Baum vergraben. Das Ritual war einfach und dennoch wunderschön; wir haben gemeinsam das Loch gegraben, die Reste unseres Babys in das Loch gelegt und gemeinsam Erde daraufgelegt. Dann haben wir jeder einen Stein auf das „Grab“ gelegt und uns nacheinander von dem Baby verabschiedet. Es war wunderschön. Der Baum liegt in einem etwas verlassenen Parkabschnitt in der Nähe unserer damaligen Wohnung und in den Wochen nach der Fehlgeburt, bin ich immer wieder gerne mit dem Rad dort vorbeigefahren und habe unser kleines totes Baby gegrüßt. Das tat gut!

  1. Ein Symbol ins Meer (oder Fluss) werfen:

Wir alle kommen aus dem Meer und alles fließt ins Meer zurück – für viele von uns, hat das Wasser eine besondere Bedeutung. Vielleicht auch für dich!? Vielleicht möchtest du etwas von deinem Baby ins Meer oder in einen Fluss werfen – vielleicht Asche von einem Symbol, das du verbrannt hast? Oder einen Brief, den du in einer Flaschenpost verpackt hast? Oder ein Brief, den du zu einem kleinen Boot gefaltet hast!? Oder einen besonderen Stein? Schau was für dich stimmig ist und dann nimm dir (zusammen mit deinem Partner/Familie oder allein) einen Moment Zeit um ins Meer (oder den Fluss) zu schauen – denke dabei daran, wie das Leben fließt, wie jede Welle kommt und wieder geht und verbinde dich mit diesem besonderen Element. Dann lasse dein Symbol los und damit auch dein Baby; es ist nun wieder da, wo es hergekommen ist.

  1. Ein Symbol verbrennen:

Ist das Feuer viel eher dein Element? Dann verbrenne ein Symbol: eine getrocknete Blume, ein Brief oder ein Gedicht. Nimm dir auch hier ganz bewusst die Zeit und verabschiede dich von deinem Baby. Erlaube deinen Tränen zu fließen und nimm bewusst Abschied. Nimm deinen Partner in den Arm, wenn ihr das Ritual zu zweit vollzieht.

  1. Einen Brief schreiben:

Ein Abschiedsbrief ist ein schönes Ritual, welches man gut allein vollziehen kann. Nimm dir dafür einen besonderen Moment, mache dir eine Kerze an und achte darauf, dass du nicht gestört wirst. Nun schreibe deinem Baby einen Brief und teile alles mit, was du im echten Leben nicht sagen konntest. Erlaube dir traurig zu sein, erlaube dir den Verlust zu spüren und schreibe alles runter. So kannst du es loslassen. Beende das Ritual in dem du den Brief in einen Briefumschlag steckst und entweder an einen vorher dafür bestimmten Ort legst oder ihn in einem zweiten Ritual verbrennst.

  1. Eine Kerze basteln:

Eine Kerze kann man wunderschön individuell mit Wachs-Stücken verschönern und gestalten. Das kann man sowohl allein als auch als Paar oder als Familie gemeinsam machen. Wenn die Kerze fertig ist, wird sie an einem besonders dafür vorgesehenen Ort platziert und dort dürfen gerne noch einige Worte gesprochen werden: „Du kleiner Mensch bist früh von uns gegangen, aber diese Kerze wird uns jeden Tag an dich erinnern. Wir lassen dich ziehen, aber vergessen dich nicht“.

  1. Eine Vase/Schale/Stein bemalen:

Genau wie eine Kerze, kann man auch ein anderes Symbol individuell gestalten: eine Vase kann man gemeinsam oder allein bemalen, einen Schale (in die man zum Beispiel Wasser und Blüten hineinlegt) oder einen Stein ebenso. Das Bemalen, entweder allein oder als Paar/Familie schafft Verbundenheit und das Anschließende platzieren des Symbols an einem dafür vorgesehenen Ort, schafft einen Abschied. Besonders machtvoll ist dieses Ritual, wenn auch hier wieder beim Platzieren des Symbols ein paar Abschiedsworte gesprochen werden.

Was das richtige Symbol für dich ist, das weißt du natürlich am besten; vielleicht ist es gar nichts von dem oben aufgeführten, sondern eine Halskette mit einem ganz speziellen Anhänger, ein Origami-Schmetterling aus buntem Papier, ein Regenbogen aus Wolle oder ein Stern. Folge sowohl bei der Suche nach einem passenden Symbol als auch bei der Auswahl deines Abschiedsrituals einfach deinem Gefühl, das dir sagt, was zu deinem Baby passen könnte, und was dir Trost spenden kann.

 Hast du ein ganz anderes, besonderes Abschiedsritual vollzogen?

Teile deine Geschichte gerne mit mir!