Die Warum Frage

Warum stirbt ein Baby? Warum passiert mir das? Warum? Diese Frage stellen sich die meisten von uns früher oder später. Und manche von uns treibt sie in Wahnsinn. Ich habe Frauen kennengelernt, die mit Mitte 20 eine Fehlgeburt hatten und mit Mitte 60 immer noch über das Warum nachdenken. Ganze Leben werden von dieser Frage bestimmt.

Eine Frage auf die die meisten von uns niemals eine Antwort bekommen werden.

Nach meiner ersten Fehlgeburt habe ich mir diese Frage auch gestellt; und zwar, weil alle mich danach gefragt haben! „Was glaubst du, warum ist das passiert? Weil du so viel Stress hattest/Weil du dich vegan ernährst/Weil du noch nicht wieder bereit bist/Weil was mit deinen Hormonen nicht stimmt?“. Nach meiner ersten Fehlgeburt habe ich all diese Fragen noch ernst genommen und mich immer wieder gefragt: was stimmt nicht mit mir? Was habe ICH falsch gemacht? Und das Fragen und Kopfzerbrechen hat mich immer tiefer in meinen Frust hineingezogen. Bei meiner zweiten Fehlgeburt kam meine Hebamme zur Geburt zu mir nach Hause. Als ich ihr dir Tür öffnete (weinend und mit Wehen) nahm sie mich in den Arm und das erste was sie sagte war: „Es gibt keinen Grund!“. Mit diesem einen Satz ist so unendlich viel Last von mir abgefallen. Es gibt keinen Grund. Es ist einfach. Es ist einfach wie es ist. Es ist normal. Es passiert. Mit diesem Satz, den sie mir sagte, fiel alles von mir ab.

In meinem Buch “Vertrauen nach Fehlgeburt” gehe ich ausführlicher auf mögliche Ursachen für eine Fehlgeburt ein, aber eigentlich ist das einzige, was du wissen musst, dass Fehlgeburten völlig normal sind und du (in aller Regel) keine Schuld trägst.

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Vertrauen nach Fehlgeburt

Der Kraftspendende Ratgeber für die Zeit während und nach einer Fehlgeburt

“Rosa Koppelmann trifft genau die Worte die ich bei meiner Fehlgeburt gebraucht habe. Sie hat mich durch diese schwere Zeit mir ihrem Buch begleitet und ich konnte annehmen und verstehen. Ich wünsche jeder Frau, die eine Fehlgeburt durchmachen muss, dieses Buch.”

Amazon-Rezension

Eine Fehlgeburt ist dennoch immer eine traurige Angelegenheit: wir freuen uns auf ein kleines Baby, auf einen neuen Menschen, auf ein Familienmitglied, auf unsere neue Rolle als Mutter, auf alles, was wir gemeinsam mit diesem Menschen erleben werden – und dann wird uns all das wieder genommen. Das ist sehr traurig. Und es ist richtig und wichtig darüber zu trauern. Aber wir brauchen uns nicht noch mehr runterziehen indem wir einen Schuldigen suchen. Manchmal gibt es ganz einfach keinen Schuldigen und alles was uns bleibt ist es, anzunehmen und zu akzeptieren was ist. Die Suche nach einem Schuldigen feuert unser Leid immer weiter an; anstatt dass wir es annehmen und somit auch loslassen können, stochern wir weiter und weiter in der Wunde, so dass sie niemals verheilen kann. Sie eitert jahrelang vor sich hin und blutet sogar immer mal wieder, jedes Mal, wenn wir uns fragen „lag es daran, dass ich diese schwere Kiste getragen habe?“. Nein, es lag nicht an der schweren Kiste, aber auch ganz abgesehen davon; du kannst es nicht mehr ändern. Manche Frauen haben mir erzählt, dass sie gedacht haben, es wäre wohl das Karma – vielleicht hätten sie nicht genug Gutes gemacht und deswegen eine „Strafe“ bekommen. Nein! Nein, schau dich um: da sind Frauen da draußen die machen viel weniger als du, die rauchen viel mehr als du, die trinken vielleicht sogar, die haben Stress bis zum Abwinken: und die bekommen trotzdem mitunter völlig gesunde wunderbare Kinder. Du trägst keine Schuld!

Du wirst die Zeit nicht zurückdrehen können aber du kannst jeden Tag neu beginnen.

Du wirst die Zeit nicht zurückdrehen können aber du kannst jeden Tag neu beginnen. Du kannst jeden Tag dein Leben weiter nach deinen Vorstellungen gestalten und es mit Freude füllen – auch mit den Erfahrungen, die du gemacht hast. Ja, es ist möglich! Vergebe dir – und dann vergebe dir nochmal. Du trägst keine Schuld! Dein Partner trägt keine Schuld. Es gibt keine Schuld. Vergebe dir, vergebe deinem Partner und vor allem: vergebe deinem Baby! Zu vergeben ist natürlich viel leichter gesagt als getan. Da ist gerade schließlich so viel Schmerz: dein Baby hat dich verlassen, dein Körper hat dich im Stich gelassen, deine Eltern verstehen dich nicht, du bist so enttäuscht von dir selbst – es ist einfach sehr viel. Oft es zu viel um einfach mal eben zu sagen: okay, Baby ich vergebe dir, dass du von mir gegangen bist. Oder: okay, Eltern, ich vergebe euch, dass ihr nicht ein bisschen empathischer gehandelt habt. Oder auch: okay, Körper, ich liebe dich immernoch genauso sehr wie vorher. Nach meiner ersten Fehlgeburt, fiel es mir sehr schwer einfach so den Schmerz und die Enttäuschung loszulassen und zu vergeben. Ich war wahnsinnig wütend auf die Menschen in meinem Umfeld, die mich ständig mit der „Warum-Frage“ konfrontierten und mir so immer mehr Schuldgefühle machten. Ich war wahnsinnig enttäuscht von meinem Umfeld so wenig Empathie und stattdessen so sachliche Reaktionen zu bekommen. Ich war wahnsinnig traurig, dieses Baby verloren zu haben und ich war wahnsinnig frustriert darüber, zu erfahren, wie meine Frauenarzt-Praxis mit mir umgegangen ist. Ich war SO voll mit negativen Gefühlen. Wäre es nur das Gefühl des Verlustes meines Babys gewesen, wäre ich damit vermutlich noch ganz gut klargekommen, aber da war einfach noch so viel mehr. Und ich merkte, wie mir diese ganzen Gefühle meinen Alltag schwermachten; und mir mein Leben weniger lebenswert machten. Also entschied ich mich irgendwann, zu vergeben.

Vergeben heißt loslassen und wenn man loslässt kann man heilen.

Ich möchte hier mit dir das Hawaiianische Vergebungsritual teilen, weil es ein einfaches Tool ist, um zu vergeben: egal wem. Egal ob deinem Baby, das schon wieder bei den Sternen ist, dir selbst und jemand anders; das Ritual lässt sich beliebig anwenden. Wenn du es auf dich selbst anwendest, stellst du dir einfach vor, dass du dir selbst gegenübersitzt. Wie als würde deine Seele kurz deinen Körper verlassen und sich dir gegenübersetzen: dann kannst du die vier Sätze des Vergebungsritual zu dir selbst sagen. Wenn es dein Baby ist, dem du vergeben möchtest, so denke einfach an dein Baby, während du die vier Sätze sprichst und wenn es jemand anders ist, sehe die andere Person vor deinem inneren Auge. Du kannst es dir für das Ritual schönmachen und dich gemütlich bei Kerzenschein hinsetzen; du kannst es aber auch in der U-Bahn für dich sprechen (auch einfach im Kopf, das hilft auch schon viel). Es ist wirklich ein sehr einfaches Tool, was man überall anwenden kann und was trotzdem über kurz oder lang sehr viel inneren Frieden bringen kann. Wende es regelmäßig an und beobachte, wie sich nach jedem Vergebungsritual ein kleiner Knoten nach dem anderen in deinem Inneren löst; bis du dich irgendwann ganz frei fühlst.

Die vier Sätze des Vergebungsrituals mögen dir vielleicht erstmal merkwürdig vorkommen; du bist verletzt worden und nun sollst du auch noch vergeben? Ja, denn am Ende geht es darum, dass wir uns selbst heilen. Es geht darum, uns, der Situation die uns verletzt hat und dem Verhalten zu verzeihen. Vielleicht fällt es dir zunächst noch schwer, die Sätze zu sprechen, vielleicht erscheinen Blockaden (in Form von Wut, Traurigkeit, Scham, Angst, Ekel) und du willst gar nicht weitermachen. Aber du wirst auch merken, dass es mit jeder Wiederholung leichter wird und immer leichter, desto weiter du dein Herz öffnest und bereit bist, loszulassen – um Platz für Neues, Wunderschönes zu schaffen!

Das Hawaiinische Vergebungsritual kannst du auch unabhängig von der Fehlgeburt anwenden, es lässt sich auch im Alltag wunderbar verwenden. Ich nutze es ganz nach Bedarf und oft auch sofort nachdem mich jemand verletzt hat: dein Partner sagt etwas, was dir nicht gefällt. Erkenne, dass du verletzt bist und sprich im Geiste die vier Sätze; oft stellt sich dadurch sofort wieder innerer Frieden ein und man spart sich einen Energie-raubenden Streit und Stundenlang inneren Frust. Das Leben ist doch da, um es zu feiern – lass uns vergeben und genießen!

Das Leben ist doch da, um es zu feiern – lass uns vergeben und genießen!

Hier nun das Hawaiinische Vergebungsritual:

Es tut mir leid
(ich nehme das Problem an).

Bitte vergebe mir
(wenn ich dich oder andere bewusst oder unbewusst verletzt habe).

Ich liebe dich
(ich liebe mich und dich bedingungslos, denn wir sind alle eins).

Danke
(dass ich das Problem erkennen und heilen durfte).

Spreche in deinem Inneren nur das Fettgedruckte und stelle dir dabei die Person und den Geist vor, dem du vergeben möchtest.

Vergeben heißt im Übrigen nicht, dass du dein totes Baby vergessen sollst; es wird immer ein Teil von dir und deiner Familie bleiben. Aber es wird der Tag kommen, wo du akzeptieren kannst, dass es nicht da ist und dass alles genauso passiert ist, wie es passiert es. Es wird der Tag kommen, an dem du erkennst, dass es okay ist, so wie es passiert ist. Es wird der Tag kommen, an dem du denkst: „ach, all das hätte ich nicht erlebt, gelesen, gemacht, wenn es anders gekommen wäre – vielleicht ist es ja sogar ganz gut so, wie es passiert ist“. Und es braucht keine Antwort auf die Warum-Frage, damit dieser Tag kommen kann. Es braucht gar keine Antworten. Es braucht nur deine Bereitschaft weiter zu leben und zu vergeben.

Es braucht gar keine Antworten. Es braucht nur deine Bereitschaft weiter zu leben und zu vergeben.

Warum also? Diese Frage, die uns alle so oft beschäftigt. Wenn ein Baby lebendig auf die Welt kommt, fragst du dich vermutlich nicht, warum das nun so ist!? Da hältst du dich mit so einer Frage gar nicht erst auf. Du genießt einfach dein Glück und bist dankbar. Warum stellen wir uns die Warum-Frage immer nur, wenn wir etwas traurig finden? Wie wäre, mit einem kleinen Spiel? Jedes Mal, wenn du dich dabei ertappst, wie du denkst: „warum ist mir das nur passiert? Weil ich mich nicht gut genug ernährt habe? geraucht habe?/Stress hatte?“  Dann frage dich auch eine positive Warum-Frage: „warum ist mir das nur passiert? Weil ich erfahren wollte, dass ich tatsächlich schwanger werden kann! Und jetzt weiß ich, dass es möglich ist und das ist toll!“ Oder „Weil ich erfahren wollte, ob meine Partnerschaft auch Schicksalsschläge gut übersteht und jetzt merke ich: mein Partner und ich sind so stark zusammen, das ist ein tolles Gefühl!“ oder „Weil ich erfahren wollte, ob mein Körper darauf reagiert, wenn ein Baby in meinem Bauch nicht lebensfähig ist und jetzt weiß ich das und kann in der nächsten Schwangerschaft noch mehr vertrauen!“ Oder – was fällt dir noch ein? Mache es dir zu einem Spiel, um deine möglichen Schuldgefühle in positive Gefühle zu verwandeln.