Eine von 4

Da wir auf unser kleines Mäuschen auch länger „hinarbeiten“ mussten als wir dachten, entschieden mein Mann und ich vor einem Jahr, wir starten wieder los und gehen in die 2. Runde, damit Marie ein Geschwisterchen bekommt und wir noch so ein tolles Kind, dass unser Familienleben bereichern soll. Und dann war ich gleich im 3. Zyklus schwanger. Wir waren so glücklich, und zugleich auch überrumpelt, weil es dann doch so schnell ging. Bei Marie warteten wir die erste Mutter-Kind-Pass Untersuchung ab, bis wir Familie und Freunde über unseren Bauchzwerg informierten, dieses Mal warteten wir nicht so lange. „Was soll schon sein“ sagte ich zu meinem Mann. Und auch bei der ersten Untersuchung war noch alles gut. Herzchen schlug, Zwerg in der Gebärmutter, also alles Bestens. Am 10.1. hatten wir den Combined Test. Ich war so gespannt, was die Ärztin alles sehen würde. Corona bedingt durfte mein Mann nicht mit. Ich wurde zur Untersuchung gerufen, holte stolz meinen MuKi Pass aus der Tasche und legte mich auch die Liege. Die Ärztin schallte eine Zeit lang, wurde immer stiller und sagte mir schließlich, dass sie keinen Herzschlag findet. Das Schlimmste war jedoch, dass sie – als sie dachte ihre Demonstration am Bildschirm dass kein Blutfluss oder sonstiges zu sehen sei würde nicht reichen – dann begann mit dem Schallkopf auf mein Bauch wie wild einzudrücken, um mir den reglosen Körper unseres Babys zu zeigen. Ich musste das alles vorerst alleine verdauen, den gefühlt kilometerlangen Weg aus dem Spital zum Auto allein zurück gehen um dann schließlich weinend meinem Mann zu erzählen, welches Schicksal wir nun tragen müssen. „Missed Abortion in der 14. SSW“ – das war meine Diagnose. Es folgte am nächsten Tag die Vorstellung in der Ambulanz, leider war die Horror Nachricht vom Vortag immer noch dieselbe, und um damit schnell abzuschließen entschied ich mich für die Curettage.
Es verlief alles gut, auch die Nachkontrolle beim Gynäkologen war in Ordnung und ohne darauf hinzuarbeiten war ich gleich wieder schwanger. Dieses Mal hielt sich die Freude in Grenzen, denn wir trauten uns schlicht nicht uns darüber zu freuen. Alle Sätze über das Baby oder unsere Zukunft mit dem 2. Kind beendete ich mit dem Nachsatz „Wenn dieses Mal alles gut geht“. In der 7./8. Woche bekam ich eine leichte Blutung und dachte mir schon es wäre nun wieder vorbei. Natürlich passierte so etwas am Wochenende und ich fuhr in die nächste Ambulanz. Die Ärztin dort war alles andere als nett oder verständnisvoll. Eher fühlte ich mich von ihr als hysterisch betrachtet, sie hörte mir nicht wirklich zu und war meines Erachtens nur halb anwesend. Als sie dann noch meinte „Die Schwangerschaft ist für sie fraglich. Sie sieht zwar einen Fruchtkörper, aber um etwas zu erkennen sei er viel zu klein – 4mm“ und ruckartig verschwand, war ich total verunsichert und traurig. Ich wusste, dass man in dieser Woche normalerweise schon einen Herzschlag sehen sollte und war verzweifelt. Vor allem konnte mir die Ärztin auch nicht sagen, woher die Blutung kommt. Am Montag rief ich sofort bei meinem Frauenarzt an und sie konnten mir bereits für Mittwoch einen Termin geben. Bei der Untersuchung konnte mein Gyn einen Polyp am Muttermund sehen, welcher für die Blutung verantwortlich war und mein Baby hatte einen kräftigen Herzschlag und war 11mm groß – kurz gesagt: Die Ärztin in der Ambulanz hat mich nicht ordnungsgemäß untersucht und mir unnötige Angst gemacht, denn in 4 Tagen wächst ein Fötus keine 7mm, so mein Gynäkologe. Die weitere Schwangerschaft war problemlos, die kurzen, schwachen Blutungen machten mir keine Angst mehr nachdem sie abgeklärt wurden, doch mit der Bekanntgabe wollten wir trotzdem noch warten, bis zum Combined Test. Am 13.6., einen Tag vor dem Test, in der 13. Woche, bekam ich wieder Blutungen, stärker als sonst, aber zu schwach für eine Fehlgeburt. Ich wollte zuerst nicht ins Spital, aber mein Gynäkologe war auf Urlaub und so entschieden mein Mann und ich uns dafür, es abklären zu lassen. In der Ambulanz hatte ich dieses Mal einen sehr netten Arzt. Er konnte den Polyp nicht mehr sehen, also kam es zum Verdacht dass dieser abgegangen war und dadurch die stärkeren Blutungen verursacht wurden. Er tastete meinen Muttermund. Aber nicht vorsichtig, wie ich es aus anderen Untersuchungen bei meinem Frauenarzt kannte, sondern mit einer so hohen Intensität, schon richtig grob, dass ich vor Schmerzen aufschreien musste. Doch das war schnell vergessen, denn beim darauf folgenden Schall sah ich mein Kind. Der Woche entsprechend groß, ein kräftig schlagendes Herz, andächtig liegend, die Hände übereinander gefaltet schlummerte es in meinem Bauch. Ich musste weinen vor Freude. Zu Hause fiel ich meinem Mann um den Hals und freute mich wahnsinnig auf den Combined Test. Um mich trotzdem etwas zu schonen, vor allem wegen der ganzen Aufregung, legte ich mich kurz hin. Am Nachmittag bekam ich Schmerzen im unteren Rücken, schob es aber auf meinen Bandscheibenvorfall, der mir auch bei den letzten beiden Schwangerschaften immer wieder mal Probleme machte. Kurz darauf folgten Unterleibsschmerzen, die immer stärker wurden. Ich war mit meiner Tochter alleine zu Hause, machte sie schnell bettfertig und legte sie mit dem Tablet in unser Bett und schaltete ihr einen Film ein, denn die Schmerzen wurden heftiger. Ich googelte was es sein kann, denn an eine drohende Fehlgeburt dachte ich natürlich nicht, nachdem doch noch vor wenigen Stunden alles in Ordnung war. Und auf einmal machte es „knack“ und ich verlor Wasser, auch jetzt war ich noch nicht bereit an eine Fehlgeburt zu denken. Wenig später erfolgte die Fehlgeburt. Ich sah mein Baby, so wie es am selben Tag im Ultraschall noch zusehen war, lag es jetzt vor mir. Ich schrieb meinem Mann eine SMS, wenig später war er daheim.
Die 2. Fehlgeburt ist nun 2 Monate her. Nach wie vor bin ich Beifahrer auf einer emotionalen Achterbahnfahrt. Regelmäßig kommt der Gedanke, was ich hätte anders machen sollen, aber so oder so – es ist zu spät. Ständig hatte ich den Gedanken, dass meine 2. Fehlgeburt womöglich durch die Untersuchung in der Ambulanz ausgelöst wurde. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass mein Baby gesund war und die Schwangerschaft gut. Ich dachte oft über das Tasten des Muttermundes nach und überlegte ob das mein Frauenarzt machte, wenn ich schwanger war und zur Untersuchung kam und wie sich herausstellte: Nein, tut er nicht. Dieses Tasten kann ein mechanisches Trauma sein, welches zu vorzeitigen Wehen führt. Aber ganz egal, wer oder was dazu geführt hat, es bringt mir mein Kind nicht zurück. Ich habe 2 Kinder verloren, durfte sie nicht halten und kennen lernen.
Es ist schwer, richtig schwer, in meinem Umfeld kommt ein Baby nach dem anderen zur Welt (zumindest fühlt es sich für mich so an) und trotzdem gebe ich nicht auf. Ich gebe mir jetzt Zeit. Und meinem Mann. Unserer Familie. Aber ich glaube daran – der Tag wird kommen und wir dürfen wieder ein gesundes Baby im Arm halten.

e-book Angst nach Fehlgeburt Cover von Rosa Koppelmann

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